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Ehemaliges Wohnhaus des Lahrer Kaufmanns und großzügigen Stifters Christian Wilhelm Jamm
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Wohnhaus von Christian Wilhelm Jamm

Am 30. Juni 1809 wurde Christian Wilhelm Jamm in Lahr in der damaligen Schnadergasse, das ist heute die Schlosserstraße, geboren. Sein Vater, ein Schlossermeister, war wohl in bescheidenem Maßstab wohlhabend. Nach dem Besuch von Elementarschule und Pädagogium ging er als Kaufmannslehrling in ein hiesiges Geschäft. Nach Abschluss der Lehre machte er sich auf die Wanderschaft und fand in Lyon in einem Seidenversandhaus Anstellung. Im Auftrag dieses Hauses unternahm er große Reisen, die ihn schließlich auch nach Havanna auf Kuba führten. Wann genau er sich dort selbständig machte ist derzeit noch ungewiss, 1850 jedoch existierte die Firma C. W. Jamm in Havanna schon, und der 41jährige war bereits ein vermögender Mann. Nachdem sein Versuch gescheitert war, das Geschäft in der Familie weiter zu vererben,- seine Neffen waren beide auf Kuba an Gelbfieber gestorben - überließ Jamm die Führung mehr und mehr seinem langjährigen Mitarbeiter und Teilhaber Joaquin Tijero, bis er sich 1858 ganz aus dem Geschäft zurückzog. Eine neue Firma wurde gegründet, die in der Folge große Zahlungen an Jamm zu leisten hatte.

Er selbst zog zuerst nach Paris, wo er weltmännisches Leben genoss und Amélie de Cantillon kennen und lieben lernte. Nie gab er seinen Wunsch auf, sie eines Tages zu heiraten. Es zog ihn jedoch wieder nach Lahr. Hier erwarb er im Westen der Stadt einen alten Lindengarten und ließ sich in den Jahren 1859 bis 1861 von Pariser Architekten eine schlossähnliche Villa erbauen. Um die Villa ließ er ebenfalls von französischen Gärtnern einen Park anlegen, einen großbürgerlichen Garten im englischen Stil, ein Gartendenkmal seiner Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts, einen "jardin anglais à la franšaise" mit allen Attributen der Epoche: einem Teich, einer Grotte, einem Pavillon, einem Wintergarten und dergleichen mehr. Manches ist verschwunden, vieles aber auch liebevoll erhalten und wiederbelebt.

Dorthin zog er sich 1861 zurück, unternahm aber immer wieder Reisen nach Paris. Hohe Mauern verhinderten neugierige Blicke, nur ein ausgewählter Freundeskreis besuchte ihn. Allerdings war Jamm regelmäßig Gast der sogenannten Magnatentafel im Gasthaus "Rappen" und Mitglied der Casinogesell- schaft. 1874 wurde er sogar als Nachrücker in den Gemeinderat gewählt. In Lahr galt er trotzdem als Sonderling und als Geizkragen. So war es kein Wunder, dass die Lahrer nach Jamms Tod am 7. Mai 1875 von seinem Testament überrascht waren.

Nach Abfindung von Verwandten, Dienstpersonal und natürlich Amélie de Cantillon durch Renten bzw. Bargeld war die Lahrer Bürgergemeinde Haupterbin eingesetzt (" ...und setze als meine Universalerbin von meinem sämtlichen Vermögen die Lahrer Bürgergemeinde ein."). Sein Reichtum war beträchtlich. Dazu gehörte die Villa mit dem Park, die Hälfte des Pfluggebäudes, das heute der Volkshochschule und der Städtischen Bibliothek dient und einen schönen Saal besitzt. Große Geldbeträge waren festgelegt zur Unterhaltung und Erweiterung des Stadtparks, für die Erbauung einer Kirche - der Christuskirche - nebst Pfarrhaus, zur Errichtung einer städtischen Bibliothek und für ein Naturalienkabinett. Schließlich sollte der beim Tod von Amélie de Cantillon freiwerdende Betrag, aus dem ihre Rente zu finanzieren war, für den Bau und die Dotierung eines Pfründnerhauses verwendet werden. Die Dame wurde jedoch 91 Jahre alt und starb erst im Jahre 1913, sodass dieses Pfründnerhaus als Jammstift erst danach ins Leben gerufen werden konnte.