SASBACHWALDEN

Narrenzunft "Germania" Sasbachwalden 1928 e.V.




Die Narrenzunft "Germania" Sasbachwalden 1928 e.V.



ist ein Verein zur Pflege der bodenständigen, alemannischen Fastnacht wie sie seit über hundert Jahren ortstypisch in Sasbachwalden abgehalten und gelebt wird.

Das Fundament für die Tradition der Narrenzunft "Germania†legten solche Sasbachwaldener "Narren" die vorausschauend erkannten, daß die Fastnacht nicht nur dem Zufall überlassen werden darf, sondern auch gewisse organisatorische Vorbereitungen benötigt. Es gab in Sasbachwalden glücklicherweise immer wieder Leute, die sich in diesem Sinne sehr stark für die einheimische Fastnacht engagierten.

So können die Saschwaller Narren -beginnend mit dem Jahre 1898- auf eine langjährige dokumentierte Fastnachtsgeschichte zurückblicken. Im Jahre 1928 wurde durch die Gründung des "Narrenrates Sasbachwalden" mit einem "Narrenvater" als Vorsitzendem der Saschwaller Fastnacht erstmals ein vereinsähnliches Gefüge gegeben.

Der endgültige Grundstein für eine kontinuierliche und blühende Vereinsarbeit wurde letztlich aber im Jahre 1965 durch die Gründung der "Germanen†und die Registrierung als eingetragener Verein gelegt.

Die Geschichte der "Saschwaller Fasent"



kann bis ins Jahre 1898 zurückverfolgt werden: es ist das Protokollbuch des Gesangvereins Hohenrode, welches uns das damalige Geschehen überliefert. Schon in jener Zeit wurde von einer durchaus lebendigen Fastnacht in Sasbachwalden berichtet. Zunächst waren es die "Närrischen Unterhaltungsabende" der Vereine in den Gasthäusern, doch schon bald ging man auch auf die Straße und veranstaltete "prächtige Umzüge". Eine alte Fotografie aus dem Jahre 1912 gibt ein beredtes Zeugnis davon. Darauf ist eine Schar Sasbachwaldener Narren neben dem von ihnen gebauten Umzugswagen zu sehen, ein Zeppelin mit der Aufschrift:

Seiner Majestät Luftschiff "Eskimo" 1912

Es ist erstaunlich welche Anstrengungen und welcher Aufwand zur Gestaltung einer urigen Fastnacht damals betrieben wurde, trotz vielfach widriger Zeitumstände und sicherlich dringenderer Probleme. Es kann angenommen werden, dass die närrischen Idealisten jener Zeit oftmals als "Verrückte†oder "Spinner†bezeichnet wurden.

Von 1915-1918 war die Fastnacht wegen des Krieges, und von 1919-1922 wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage verboten. Erst 1923 erwachte die Fastnacht aus ihrem aufgezwungenen Schlaf, man durfte wieder "Schudi" machen. Genau in diesem Jahr 1923 wurde in Sasbachwalden auch der "Kraftsportverein Felsenfest" gegründet, der nicht nur dem Kraftsport und der Schwerathletik huldigte, sondern sich auch bald der Saschwaller Fasent annahm. So veranstaltete er zum Beispiel am Sonntag, dem 20. Februar 1927 im Gasthaus "Engel" einen Preismaskenball mit "urkomischer" Musik. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es hauptsächlich die örtlichen Vereine, die an der Fastnacht ihre närrischen Veranstaltungen abhielten und so Leben ist das Fastnachtsgeschehen brachten.

Im Jahre 1928 entstand dann aus Mitgliedern des Kraftsportvereins und anderen fastnachtsbegeisterten Bürgern, der "Narrenrat Sasbachwalden", mit dem "Narrenvater" an der Spitze. Unter dem Vorsitz des engagierten Narrenvaters Berthold Decker (Engelwirt) wurde ein Riesenprogramm unter dem Motto "Einst und Jetzt" vorbereitet und festgelegt. Es fanden "Aufführungen" in den Gasthäusern statt und während der Umzüge am Sonntag und Dienstag blieb die Hauptstraße "wegen der Unmöglichkeit einer Durchfahrt" gesperrt.

"Einst und Jetzt"

Der Umzug 1929 wurde wieder durch einen riesigen Zeppelin der "Luftschiffgesellschaft Eskimo" geprägt, der durch die Gassen "Schnitzwaldens†schwebte. Welche Beweggründe dazu führten, dass in diesen Jahren des öfteren Raum- und Luftschiffe im Mittelpunkt der "Saschwaller Fasent†standen, kann leider nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden.

"Pfälzer Kerwe" hieß das Motto im Jahre 1930. Am Fastnachtssonntag und Dienstag gab es auf dem Rathausplatz und vor dem Gasthaus "Rebstock": "Kerwemänner", "Karussells", "Schießbuden", "Panoramas", "Lukas und Jakob", und selbst ein "Klepperboot, System Prestro" wurde für die närrische Bevölkerung geboten.

1935 ging\'s dann wieder richtig rund, als der weltberühmte Zirkus "Schnitzerani" auf seiner Tournee durch Europa auch in Sasbachwalden seine Vorstellungen gab. Der Elefant "Molli", die Giraffe "Tusnelda", das Bärenweibchen "Susi" und ihre Dompteure waren die Hauptakteure. In den Pausen sorgten die Clowns "August und Heinrich" für eine ausgiebige Betätigung der Lachmuskeln.

Im Jahre 1936 startete die Fastnacht schon Wochen vorher mit dem üblichen "Schnurren", wobei die Bevölkerung gehörig "gestrählt" wurde. Das heißt, die Sünden und Vergehen, die man sich das Jahr über zuschulden kommen ließ, werden einem "vorgerupft". Erster Höhepunkt war dann am Sonntag, dem 16. Februar der Preismaskenball beim "Narrenvater" Berthold Decker, im Gasthaus "Engel". Der "Elferrat" legte das endgültige Programm für die Fastnacht fest:
Nach dem traditionellen Umzug am Sonntag und am Dienstag, wurde auf dem Rathausplatz der "Schnitzmärkt" abgehalten. Dieser stand außer den Kauf- und Schaubuden, und dem Kasperletheater ganz im Zeichen der Olympiade. So wurde unter großem Aufwand eine riesige Rutschbahn aufgebaut, von der alte Saschwaller heute noch begeistert berichten.

Auf nach Sasbachwalden, zum großen "Zigeunertreffen", hieß es Anno 1937. "Wer Freude am Zigeunerleben habe, die am Fastnachtssonntag und Dienstag ihr berühmtes Nationalfest hier abhalten, komme nach Sasbachwalden. Auch spielte eine ausgezeichnete "Zigeunerkapelle" zum Tanze auf. Hierzu lud nun die "Narrhalla Saschwalle†ein, wie sich nun der Narrenrat von 1928 nannte.

1938 wird nur von "lebhaftem Betrieb" durch eine große Anzahl Schudis beim Schnurren in den einzelnen Gasthöfen berichtet. Das Schnurren ist jeweils auf Dienstag, Donnerstag und Samstag festgesetzt worden.

Ideengeber und treibende Kraft in diesen Jahren bis 1939, als der Zweite Weltkrieg dem Ganzen ein vorläufiges Ende setzte, war der "Engelwirt" Berthold Decker. Er stand als "Narrenvater" an der Spitze des "Narrenrates", der sich ab 1937 "Narrhalla" nannte.

"An der Fastnacht krochen die Schudis wieder aus den Höhlen". Man wollte wieder leben!", schrieb 1947 der Pfarrer in die Pfarrchronik. Nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg regte sich die Fastnacht also wieder als "zartes Pflänzchen" und wurde im Laufe der 50er Jahre wieder zum festen Bestandteil des Jahresablaufes in Sasbachwalden. Hauptsächlich in den Wirtschaften wurde mit Musik und Tanz den Schudis der 50er Jahre viel geboten. In diesen Jahren waren Josef Fischer ("Fischer-Metzger"), und Herbert Decker, ("Engelwirt") als Narrenväter tätig und prägten die "Saschwaller Fasent†der 50er Jahre maßgebend.

In den 60er Jahren sank die Attraktivität der "Saschwaller Fasent", trotz der eifrigen Bemühungen der "Narren" um Bruno Schmälzle (Friseurmeister), der bis 1966 als Organisationschef tätig war. So war man sich im Jahre 1964 in närrischen Kreisen darüber im Klaren: Die Sasbachwaldener Fastnacht sollte ab sofort durch eine typische Symbolfigur, die alljährlich im gleichen Häs auftritt, bereichert und belebt werden.

So kommen seit der Fastnacht 1964 alljährlich die "Germanen", diese "wilden Männer" aus dem Gebirge über Sasbachwalden, herunter ins Tal. Bekleidet mit allerlei Fellen, die Männer mit behorntem Helm, die "Germaninchen" mit Fellmütze, sorgen sie immer wieder für Aufregung und Verwunderung. Bewaffnet mit Keulen, Speeren und Schleudern, treiben sie urig aussehend, ihr Unwesen. An der Spitze dieser "wilden Horde" steht der "Germanikus", ihm hilfreich zur Seite das "Obergermaninchen".

Am Samstag, dem 13. Februar 1967 saßen dann sieben Germanen im Gasthaus "Engel" beisammen und beschlossen ab sofort die Germanen als eingetragenen Verein (e.V.) zu organisieren. Es waren dies: Otto HUBER, Sandweg; Hubert STEINHART, Vorstadt; Herbert DECKER, Tal (Engel); Karl-Heinz BOHNERT, Tal; Günther HODAPP, Werth; Alois OBERLE, Höf; und Friedrich KIRN, Höf.

Am 02.11.1967 erging die schriftliche Einladung zur "offiziellen Gründungsversammlung" auf Montag, 06.11.1967 um 20.00 Uhr ins Gasthaus "Engel", welches ja schon seit jeher immer als "Narrenzentrale" fungierte. Zu den sieben "Gründern" vom 13. Februar waren über die Fastnacht 1967 noch 19 weitere dazugestossen, drei "Neue" kamen noch zur Gründungsversammlung, so dass der Start des neuen, eigentlich aber alten Vereins, mit 29 Mitgliedern erfolgen konnte. Zum 1. Vorsitzenden (Zunftmeister) wählte man Hubert Steinhart, zu seinem Stellvertreter (Vize-Zunftmeister) Bruno Schmälzle. Durch intensive Mitgliederwerbung konnten bis zum Jahresende insgesamt 61 Mitglieder gezählt werden.

Ein in der Geschichte der Narrenzunft Germania bedeutender Meilenstein erreichte man im Jahre 1968, erhielt doch die Zunft eine weitere Häsgruppe, nämlich die "Glunkerle". Insbesondere ältere Vereinsmitglieder waren damals der Meinung, "es sei nicht jedermanns Sache, in Felle gehüllt und wild aussehend, durch die Straßen zu ziehen". Man suchte also nach einer weiteren Fastnachtsfigur, und fand sie in einer alten Berufsgruppe, die einst in Sasbachwalden tätig war: Fuhrleute, die in früheren Zeiten Holz- und Steintransporte mit schweren Ochsengespannen aus unserem Schwarzwaldgebirge herunter ins Tal und in die Rheinebene hinaus durchführten. Da sie oft tagelang einsam im Wald unterwegs waren, wurden sie schon immer mit irgendwelchen Geistern und unheimlichen Gestalten in Verbindung gebracht. Die Glunkerle bilden mit ihrer naturfarbenen Holzmaske, mit schwarzer "Zipfelskapp" darauf, eine etwas ruhigere, aber gefällige Alternative zu den Germanen.

In den 70er Jahren wurde das Fastnachtstreiben in den Wirtschaften immer weniger. So kam bei der Narrenzunft Sasbachwalden der Gedanke auf, einfach selbst den Wirt zu machen. So öffnete im Jahre 1979 erstmals die "Saschwaller Straßenfastnacht" ihre Pforten. Mitten im Dorf, im Engelweg und in der Königsrainstraße werden seither am Fasent-Somschdi und Fasent-Sunndi Keller und Garagen in gemütliche Straußwirtschaften verwandelt. In denen die Schudis und das närrische Volk alljährlich für ein kunterbuntes Fastnachtstreiben sorgen. Die Saschwaller Straßenfastnacht wurde inzwischen zu einem Markenzeichen für unsere einheimische bodenständige "Saschwaller Fasent". Sie findet alljährlich am Fastnachtssamstag und Sonntag statt und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit.


Kontakt(e):

Narrenzunft "Germania" Sasbachwalden 1928 e.V.
Anschrift: 77887 Sasbachwalden, Postfach 11 11
Register: VR 106, Amtsgericht Achern
Internet: http://www.narrenzunft-sasbachwalden.de
E-Mail: info@narrenzunft-sasbachwalden.de


Homepage: http://www.narrenzunft-sasbachwalden.de