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Nordrach - Schwarzwald / Ortenau


Die Gemeinde Nordrach zieht sich über nahezu 10 km Länge im engen Tal des gleichnamigen Flüsschens entlang. In diesem Tal verläuft auch die Straße von Zell am Harmersbach (6 km) nach Bad Peterstal-Griesbach (12 km), allerdings ist die Strecke durch das Harmersbachtal über den Löcherberg kürzer. Die Entfernung zur Kreisstadt Offenburg beträgt 25 km. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von 255 bis 878 Meter. Die Gemeinde grenzt im Norden an die Städte Oberkirch und Oppenau, im Osten an Oberharmersbach, im Süden an die Stadt Zell am Harmersbach und im Westen an die Stadt Gengenbach.
Lage im Ortenaukreis Lageplan Gemeinde Nordrach





neugotische Pfarrkirche St. Ulrich

Wie ein kleines Münster steht die reichgegliederte, neugotische Pfarrkirche St. Ulrich mit ihrem 63 m hohen Turm im engen Tal der Nordrach, - doppelt schön nach der 1974/77 durchgeführten Renovation: Der Stolz der Gemeinde, die überwiegend katholisch ist.

Obwohl schon 1289 eine Kirche St. Udalricus - erwähnt wurde, war Nordrach bis 1608 keine eigene Pfarrei. Der Gengenbacher Abt besaß das Kirchenpatronat. Von 1553 bis 1608 galt Nordrach als Filiale von Zell. Ab 1762 wurde die Pfarrei mit "Weltgeistlichen" besetzt, vorher waren hier Klostergeistliche tätig. Die Zahl der zu betreuenden Christen schwankte sehr und sank in Kriegszeiten auf 400 (im Jahre 1666) bzw. auf nur 300 (im Jahre 1693). Heute liegt sie bei etwa 1650 Katholiken.

Schräg zwischen den Stufen der heutigen Sakristei und dem Haupteingang zum Friedhof lag die alte Kirche, eine Chorturmkirche, deren Einweihungsdatum unbekannt ist. Nachweisbar ist aber, dass sie 1725 erweitert wurde und dass 1747 ein neuer Chor und ein Turm für sie erbaut wurden.

Kirchenpatron der alten und auch der neuen Pfarrkirche ist der hl. Ulrich, der - als Bischof von Augsburg - 973 gestorben ist und seit 993 als Heiliger verehrt wird. Der Brunnen an der Sakristei weist auf den "Wasserpatron St. Ulrich" hin. Die jetzige Kirche wurde 1904/05 in neugotischem Stil erbaut. Die Achse dieser neuen Kirche - mit 800 Sitzplätzen - ist durch die südwestliche Ecke der alten Kirche gelegt. Die unter Pfarrer Balzer (sein Grab findet man am Eingang des Friedhofs) erbaute Kirche ist nicht wie üblich geostet, sondern - bedingt durch den Flusslauf im engen Tal - nach Nordosten gerichtet. Der Turm mit Pyramidenhelm, Umgang und gotischer Balustrade steht östlich vom Chor. Feierlich erhebt sich die Kirche mit dem hochgezogenen Mittelschiff auf dem freien Platz, belebt durch die Einstiegstürmchen auf den Dächern und die Ziertürme am Umgang des Turmes. Auch die nach Süden weisende Fassade wirkt festlich; das zurückliegende Portal wird durchbrochen von einer großen Rosette und gegliedert durch vier Konsolen. Im Giebel befindet sich die Statue des Kirchenpatrons St. Ulrich. Im linken Seitenschiff steht in der gewölbten Taufkapelle das älteste Stück der Kirche, der Taufstein aus dem Jahre 1614, der noch aus der alten Kirche stammt.

Je sechs Säulen aus rotem Sandstein teilen den 40,8 m langen, 17,2 m breiten und 17 m hohen Raum. Die je 9 Fenster der Seitenschiffe und die je 8 Fenster im oberen Teil des Langhauses lassen genug Licht einfallen, obwohl sie alle bemalt sind. Sie stellen Szenen aus dem Leben der "vierzehn Nothelfer" dar, bei den meisten Fenstern ist auch der Name des Stifters verewigt. Vom rechten Seitenschiff aus führt eine Treppe zur hochgelegenen Orgelempore, die mit einer geschnitzten Holzbalustrade versehen ist.

Kirche innen Der Hochaltar, der 1905 geschnitzt und bemalt wurde, veranschaulicht mit den Szenen des "Schmerzhaften Rosenkranzes" das Erlösungswerk. Die beiden Seitenaltäre sind der Muttergottes und der hl. Familie gewidmet. Sehenswert sind auch die Kanzel mit den Darstellungen der vier Evangelisten und dem lehrenden Christus, die Orgel, der Pieta-Altar im hinteren Bereich der Kirche und die zwölf lebensgroßen Figuren im Langhaus, die die Apostel mit ihren Attributen darstellen.

Das Glockengeläute besteht aus sechs Glocken. Drei Glocken wurden im Jahre 1950 gegossen, nur eine ist noch vom alten Geläute, das 1921 nach dem Ersten Weltkrieg - beschafft wurde. Zweimal - in beiden Weltkriegen - mussten die Glocken für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Zwei Glocken sind im Jubiläumsjahr 1989 hinzugekommen. Die vier Glocken tragen Aufschriften, wie z.B. "Aus dem Munde der Kinder und der Säuglinge hast du dir Lob bereitet" (Ps 8,3), so zu lesen auf der ältesten, 450 kg schweren Glocke.