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Lahr - Schwarzwald


Lahr/Schwarzwald ist eine Stadt im Süden Badens, etwa 38 km nördlich von Freiburg im Breisgau und 100 km südlich von Karlsruhe. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Ortenaukreises und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Lage im Ortenaukreis Lageplan Gemeinde Lahr




Der Lahrer Schutterlindenberg - Gedenkstätte Badischer Aufklärung

Schutterlindenberg - Lahr
Schutterlindenberg Lahr - Blick nach Offenburg
Der Schutterlindenberg hat alte Bedeutung für Lahr als Versammlungsort für religiöse oder politische Feste - etwa anlässlich der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 oder des badischen Verfassungsfestes 1843. Neben einem herrlichen Rundblick über die Rheinebene ins Elsaß hinein, inklusive Münstertum in Straßburg, kann man hier einen Blick auf zwei politische Denkmäler der Stadt werfen: Das Schubert-Denkmal erinnert an den Bürgermeister der Revolution von 1849 Wilhelm Schubert, während die Verfassungssäule der badischen Verfassung von 1818 gewidmet ist.

Wilhelm Schubert und die Verfassungssäule

Wilhelm Schubert (16.10.1813 - 1.5.1893)

Er begann im Jahre 1834 eine kaufmännische Lehre und besaß ab 1840 einen Kaufmannsladen in Lahr. Seine politische Aktivität fing 1834 an, wobei Schubert 1847 zum Führer der Lahrer Republikaner wurde. Als Vertreter des Mittelrheinkreises im Zentralausschuß der Offenburger Volksversammlung vermehrte er 1848 sein Ansehen. Schubert war die wichtigste republikanische Persönlichkeit in Lahr. Nach dem Rücktritt des Bürgermeisters Groß am 14.5.1849 wurde er am 12./13. Juni selbst zum Bürgermeister.

Zitat:"Lahr im Vormärz und während der Revolution von 1848/49" (Thorsten Mietzner) - (K)ein Michel unterm Storchenturm

In 55 Einzelaspekten rollt der Autor Thorsten Mietzner ein Panorama der Verhältnisse zwischen 1818 und 1849 in Lahr auf. Die Stadt erweist gerade in der Zeit des Vormärz ihrem Rang als einem der ersten Handelsplätze Badens Ehre, indem sie durchaus die Strömungen, die die Zeit im großen durchziehen, im kleinen Rahmen abbildet. Fabrikanten und Unterschichten, Lesegesellschaften und Bürgerwehr, Zensur und Kalender, das sind nur einige wenige der Pole, zwischen denen sich das Bewußtsein der städtischen Gesellschaft bewegt. Sie alle sind aus den Beständen des Lahrer Stadtarchivs und des Museums im Stadtpark auf eine erstaunliche Weise illustriert, die verdeutlicht, dass die Revolution im März 1848 nicht vom Himmel fiel, sondern aus vielen vielen Quellen entsprang.

Der zweite Teil des kleinen Bandes ist den Ereignissen der Revolutionszeit in Lahr gewidmet, die - ebenso wie im Land - von der tiefgreifenden Spaltung des liberalen Lagers in Radikale und Gemäßigte gekennzeichnet ist. Auch hier schafft es Mietzner, anhand einer Vielzahl von Zeitungsmeldungen, Abbildungen und Objekten ein lebendiges und spannendes Bild zu zeichnen. Der Bogen spannt sich hier vom Wiedererscheinen des radikalen "Schutterboten" am 18. März über die Wirrnisse von Heckerzug und Struveputsch bis zum Aufruf zur Bürgerversammlung vom 10.Mai 1849, die einen vorsichtigen - eben gemäßigt liberalen - Schritt zu Gunsten der Reichsverfassung beschloss.

Die Ereignisse brandeten dann allerdings ebenso über Lahr hinweg wie über das ganze Land. Die Stadt rüstete noch ein Freiwilligenaufgebot aus, das am 14. Mai in Karlsruhe ankam, ein zweites Aufgebot allerdings ließ schon erheblich weniger Einsatzbereitschaft erkennen. Die politische Lage innerhalb der Stadt war labil, immer noch standen sich Radikale und Gemäßigte gegenüber. Als Mitte Mai Gemeinderat und Bürgermeister gewählt wurden, war die Wahlbeteiligung schlecht, was auf erhebliche Ressentiments, von welcher Seite auch immer, schließen lässt.

Schutterlindenberg Schubertdenkmal Schutterlindenberg - Blick über Lahr Schutterlindenberg Verfassungssäule Schutterlindenberg Gedenkstein


Badische Verfassung

Die von Karl Friedrich Nebenius erarbeitete Badische Verfassung wurde von Großherzog Carl am 22. August 1818 oktroyiert. Sie galt als eine der modernsten Verfassungen im Deutschen Bund. Damit gehörte Baden neben den süddeutschen Staaten Württemberg (Verfassung: 1819) und Bayern (Verfassung: 1818) sowie dem mitteldeutschen Sachsen-Weimar-Eisenach (Verfassung: 1816) zu den wenigen Bundesstaaten mit einer konstitutionellen Verfassung.

Merkmale

Die Badische Verfassung kann als Realisierung des Art. 13 der Bundesakte angesehen werden, in der die Einrichtung "landständischer Verfassungen" für den Bereich des Deutschen Bundes in Aussicht gestellt wurde. Ihre Struktur mit zwei Kammern orientiert sich eindeutig an der Charte Constitutionnelle des französischen Königs (Ludwig XVIII.) aus dem Jahr 1814. Ansätze zur Verwirklichung der von Charles de Montesquieu und anderen Staatsphilosophen der Aufklärung erdachten Gewaltenteilung sind zu erkennen.

Die badische Verfassung garantierte das von der nationalen und liberalen Bewegung in Deutschland geforderte Recht auf Volksvertretung und eröffnete den Mitgliedern der beiden Kammern zumindest die Möglichkeit der politischen Mitwirkung. Von Volkssouveränität in dieser Verfassung zu sprechen geht allerdings zu weit. Obwohl den Kammern das Recht der Steuerbewilligung zukam, oblag die Einberufung des Landtages wie das Recht zur Gesetzesinitiative dem Großherzog. Die Einschränkung v. a. des passiven Wahlrechts begünstigte die Honoratioren und das Bildungsbürgertum im Allgemeinen. Trotz dieser Einschränkungen muss eine Bewertung der badischen Verfassung und ihres Stellenwertes in der Verfassungsgeschichte des Landes ihren Einfluss auf die Meinungsbildung berücksichtigen. Insbesondere die zweite Kammer kann als Diskussionsforum betrachtet werden, deren Rolle für die politische Öffentlichkeit nicht unterschätzt werden darf.