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Staufenberg die mächtige über Durbach
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Von Achim von Arnim (1781-1831)

VII. Romanze

Kein Hochzeit je mit solcher Pracht,
Gehalten ward bis tief in die Nacht,
Viel Lieder und viel Saitenspiel,
Man hörte in dem Schlosse viel,
Und alles bei dem Tische saß,
Man war da fröhlich ohne Maß.

Sie saßen da im großen Saal,
Alsbald da sah man überall,
Die Männer sahen's und die Frauen,
Sie konnten beide es anschauen,
Wie etwas durch die Bühne stieß,
Ein Menschen-Fuß sich sehen ließ.

Bloß zeigt er sich bis an die Knie,
Kein schönrn Fuß sie sahen nie,
Der Fuß wohl überm Saal erscheint,
So schön und weiß wie Elfenbein,
Der Ritter still saß bei der Braut,
Die schrie auf und schrie laut.

Der Ritter, als er den Fuß ersah,
Erschrak er und ganz traurig sprach:
"O Weh, o Weh, mir armem Mann!"
Und wurde bleich von Stunde an.
Man bracht ihm sein kristallnes Glas,
Er sah es an und wurde blaß.

Er sah in dem kristallnen Pokale,
Ein Kind das schlief beim lauten Mahle.
Es schlief vom Weine überdeckt,
Ein Füßchen hat es vorgestreckt,
Doch wie der Wein getrunken aus,
So schwand das Kindlein auch hinaus.

Der Ritter sprach: "Der großen Not,
In dreien Tagen da bin ich tot."
Der Fuß, der war verschwunden da,
Ein jeder trat der Bühne nah,
Wo doch der Fuß wär kommen hin,
Kein Loch sah man da in der Bühn.

All Freud und Kurzweil war zerstört,
Kein Instrument wurd nimmer gehört,
Aus war das Tanzen und das Singen,
Turnieren, Kämpfen, Fechten, Ringen,
Das alles still darnieder leit,
Die Gäste fliehn in die Felder weit.

Die Braut nur bleibt bei ihrem Mann,
Der Ritter sieht sie traurig an;
"Gesegne dich du edle Braut,
Du bleibest bei mir, hast mir vertraut."
"Durch mich verliert Ihr Euer Leben,
In geistlichem Stand will ich nun leben."

Das heilge Öl empfing er dann,
Nach dreien Tagen rief der Mann:
"Mein Herr und Gott in deine Händ,
Ich meine arme Seele send,
Mein Seel tu ich befehlen dir,
Ein sanftes Ende gibst du mir."

Ein Denkmal ward ihm aufgericht,
Von seiner Frau aus Liebespflicht,
Dabei sie baut die Zelle klein,
Und betet da für ihn so rein:
Oft betend kam die Meerfei hin,
Sie sprach mit ihr aus gleichem Sinn.

Achim von Arnim und Clemens Brentano, Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder [1806-08].