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Ludwig Eichrodt - 1827 bis 1892

Ludwig Eichrodt
Ludwig Eichrodt wurde als Sohn der Eltern Ludwig Friedrich Eichrodt (1798-1844) (Ministerialbeamter und Innenminister) und Elisabeth (geborene Joos, 1809-1891) geboren. Er studierte seit 1845 in Heidelberg und Freiburg Rechtswissenschaft, Philosophie und Geschichte, und lebte dann als richterlicher Beamter an verschiedenen Orten, bis er 1871 zum Oberamtsrichter in Lahr ernannt wurde. Er verstarb an seinem 65. Geburtstag. Sein Grab befindet sich auf einem Friedhof in Lahr. Nach ihm ist eine Grundschule in Lahr benannt.

Zusammen mit seinem Studienfreund Adolf Kußmaul erfand er die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier, ein Mensch, dem nach ihrer Charakterisierung "seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen". Nach dieser Figur wurde später eine ganze Epoche benannt.

Eichrodt war seit seiner Schulzeit mit Viktor von Scheffel befreundet. Mit dem norddeutschen Schriftsteller Theodor Storm - Dichterjurist wie er selbst - führte Eichrodt einen lebhaften Briefwechsel.

Von seinen Veröffentlichungen (zum Teil unter
dem Pseudonym Rudolf Rodt) nennen wir:

    * Gedichte in allerlei Humoren. Stuttgart 1853
    * Schneiderbüchlein. Stuttgart 1853 (anonym mit H. Goll)
    * Leben und Liebe. Frankfurt 1856 (Gedichte)
    * Die Pfalzgrafen. Lahr 1859 (dramatisches Gedicht)
    * Deutsches Knabenbuch. Weltruhm in Reimsprüchen. Lahr 1865
      (illustriert von Schrödter und Camphausen)
    * Alboin. Bühl 1865 (dramatisches Gedicht)
    * Rhein-schwäbisch. Karlsruhe 1869, 2. Aufl. 1873
      (Gedichte in mittelbadischer Sprechweise)
    * Lyrischer Kehraus. Straßburg 1869, 2 Teile
    * Lyrische Karikaturen. Straßburg 1869 (Anthologie)
    * Biedermeiers Liederlust. Straßburg 1870
    * Melodien. Stuttgart 1875 (Lieder)
    * Hortus dellclarum. Lahr 1876-80, 6 Teile (humoristische Anthologie)
    * Gold. Sammlung des Ursprünglichen
      und Genialen in deutscher Lyrik. Leipzig 1882

Der Schriftsteller:

Nur wenigen Schriftstellern ist es gelungen, dass nach ihnen eine ganze Literaturepoche benannt wurde. Ludwig Eichrodt prägte rückblickend ab 1853 zusammen mit seinem Studienfreund Adolf Kußmaul durch die parodierenden "Gedichte des Weiland Gottlieb Biedermaier" den Begriff für die Zeit zwischen dem Beginn der Restauration 1818 und der Revolution 1848/49. Mit der Figur des - aus badischer Perspektive pikanterweise - schwäbischen Schullehrers wird die spießbürgerliche und unpolitische Haltung vieler Zeitgenossen des so genannten Vormärz karikiert. Doch nicht allein rückblickend, sondern immer die eigene Zeit vor Augen, wurde Eichrodt, der gelegentlich das Pseudonym Rudolf Rodt benutzte, zum humorvollen Chronisten seiner Epoche.

Am 2. Februar 1827 wurde der Schriftsteller und Jurist in Durlach geboren. Der Vater Ludwig Friedrich (1798 - 1844) war Ministerialbeamter in Karlsruhe und wurde kurz vor seinem Tode noch Innenminister. Die Mutter Elisabeth, geborene Joos (1809 - 1891), stammte aus einer Lahrer Kaufmannsfamilie. Ludwig war das zweite von zehn Kindern des Paares. Nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums verbrachte er die Studienzeit bis auf ein Freiburger Semester in Heidelberg. Dort studierte er unter anderem bei dem bekannten Strafrechtslehrer Carl Mittermaier, der seit 1833 Präsident des badischen Landtages war. In den Jahren 1851/55 bestand Eichrodt die beiden juristischen Staatsprüfungen.

Nach verschiedenen Stationen im badischen Justizdienst ließ er sich 1859 nach Bühl versetzen und heiratete seine langjährige Verlobte Elisabeth Fuchs (1829 - 1892). Die Jahre in Bühl waren literarisch äußerst produktiv: 1864 erschienen das "Deutsche Knabenbuch. 100 Gestalten in Wort und Bild" und 1869 die im mittelbadischen Dialekt abgefasste Gedichtsammlung "Rheinschwäbisch", die "Lyrischen Karikaturen" sowie der "Lyrische Kehraus". Seit 1863 schrieb der Jurist für den Lahrer "Hinkenden Boten". Die juristische Karriere verlief ebenfalls stetig, 1871 war er Oberamtsrichter in Lahr. Auch wenn für die Literatur nicht mehr viel Zeit blieb, konnte der angesehene Richter 1890 die Herausgabe seiner "Gesammelten Dichtungen" in zwei Bänden mit annähernd 1.000 Seiten noch erleben.

Am 2. Februar 1892, es war sein 65. Geburtstag, starb Ludwig Eichrodt. Sein Grab befindet sich auf dem alten Friedhof in Lahr. Zu seinem 100. Geburtstag zeigte die Badische Landesbibliothek die Ausstellung "Herr Biedermeier und seine Welt". (Museum für Literatur am Oberrhein)

Weblinks:

Stadt Karlsruhe
Deutsche Liebeslyrik